un-frieden. sabotage von wirklichkeiten findet im Rahmen der Hamburger Woche der bildenden Kunst im Kunstverein und im Kunsthaus Hamburg 30.11.1996 - 19.1.1997 statt. Der Titel ist Thema und Strategie des Ausstellungs- und Aktionsprojekts, das die unterschiedlichsten künstlerisch - politischen Positionen der 90er Jahre zusammentragen will.

 

Ausgangspunkt der Konzeption von un-frieden. sabotage von wirklichkeiten war die von Robert Filliou initiierte und von René Block ausgerichtete "Biennale des Friedens", die 1985 als Projekt der Hamburger Woche der bildenden Kunst im Hamburger Kunstverein und Kunsthaus stattfand. Das zentrale Motto dieser Schau lautete, den "Frieden aufregender zu gestalten als den Krieg".

Das Konzept, das sich insbesondere die Bildung eines (weltweiten) künstlerischen Netzwerks für "friedensformende" Kunststrategien zum Ziel gesetzt hatte, war der Anlaß für die Neu- und Umformulierung der Fragestellungen und zur Initiierung des erneuten Aufrufs. Im Vordergrund stehen heute nicht mehr utopische oder moralische Ansprüche an Kunst, sondern die Überprüfung ihres Vermögens, zunehmend unfriedlichere Realität(en) sichtbar zu machen, in bestehende Wirklichkeitsstrukturen einzugreifen oder verquere Umgangsweisen mit privaten, sozialen und politischen Wirklichkeiten sowohl suggestiv als auch reflexiv erfahrbar werden zu lassen.

Die Ausstellung un-frieden. sabotage von wirklichkeiten wird, unterteilt in sechs thematische Zonen (und Mischzonen): Kontrolle, Nachrichtendienste, Alltag, Grenzpolitiken, Staatsmaschinen, Science Fiction & Ökonomie, zentrale gesellschaftliche Wirklichkeitsbereiche in den Kunstraum einspiegeln. Entstehen soll eine "heterotope" Kunst-Wirklichkeit, eine Welt neben der Welt, in der die Kunstwerke und Aktionen selbst "resozialisiert" und in ihren kritischen und subversiven Potenzen erfahrbar werden. Eine Kunstwelt, in der unscheinbare Sachverhalte, Fest- und Zuschreibungen unserer pluralen Wirklichkeiten hervorgeholt, gedoppelt oder nachhaltig befremdet werden.

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