Les Folies du Quotidien / Der Irrsinn des Alltäglichen
Une selection vidéo des années 90 en France
Video in den 90er Jahren in Frankreich  

NBK Neuer Berliner Kunstverein, Chausseestr. 128/129, 10115 Berlin 
Montag, 28. September 1998, 19 Uhr 

proposé par / zusammengestellt von Inke Arns

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe Treffpunkt NBK, anlässlich der Ausstellung Zeitgenössische Fotokunst aus Frankreich im NBK, 29.8. - 11.10. 1998. In Zusammenarbeit mit dem Institut Français Berlin und mit Unterstützung der AFAA / Bureau des Arts Plastiques Köln und der französischen Botschaft, Bonn. 

In the framework of the "Meeting Point NBK" series, during the exhibition Contemporary Photography from France at the NBK, 29.8. - 11.10. 1998. In cooperation with the Institut Français, Berlin, supported by the AFAA / Bureau des Arts Plastiques, Cologne and the French Embassy, Bonn. 
 

PROGRAMM

Pierre Joseph et Philippe Parreno, „Snaking", 1992, 3:10 Min.
Pierre Joseph, *1965 in Caen (F), lebt und arbeitet in Nizza
Philippe Parreno, *1964 in Oran (Algerien), lebt und arbeitet in Paris
If you’re tired of Blading, Trekking, Jogging, Rafting.... try Snaking!               Courtesy Galerie Air de Paris, Paris

Serge Comte, „Loup-loup" (mit Philippe Dorain), 1992, 5:40 Min.
*1966 in La Tronche / Grenoble (F), lebt und arbeitet in Paris
‘La folie douce on l’a tous’ (Serge Comte): Ein Mensch, maskiert und mit elektronisch verzerrter Stimme, gesteht vor laufender Kamera einen Mord: „Ich habe gestern jemanden getötet... er war groß, er war dumm, er hat mich genervt. Seine Existenz nervte mich einfach...". Die Beschreibung des Mordes ist von einer entwaffnenden Einfachheit und zeugt von der erstaunlichen Banalität des Bösen. Um die kleinen alltäglichen Frustrationen loszuwerden, beschreibt Serge Comte - Safe at Home - seine Fantasmen so, als ob er sie bereits realisiert hätte, es sind in vitro Simulationen intimer Handlungen. Die Arbeiten von Serge Comte situieren sich in einem Zustand permanenter Instabilität. Gegensätze lösen sich ineinander auf: „Reinheit vermischt sich mit Perversion, Anwesenheit mit Abwesenheit, Euphorie mit Traurigkeit. Intimität schützt, aber bringt auch ihre eigene Gewalt hervor." (Clarisse Hahn, 1997).
Courtesy Galerie Jousse Seguin, Paris

Serge Comte, „I Wanna Be Your Favourite Bee", 1993, 3 Min.
Der Künstler, die Biene, der Nektar und die Glasscheibe...
Courtesy Galerie Jousse Seguin, Paris

Boris Achour, „Les actions peu", 1995-97, 8 Min.
*1966 in Marseille (F), lebt und arbeitet in Paris
Acht kleine Aktionen in acht Minuten. Verfremdung des Stadtraumes mit minimalen Hilfsmitteln (peu = gering, wenig). Plastiktüten, Klebeband, Taschenlampe, ein Stuhl, Schokolade... „Les actions peu, begonnen 1993, sind Interventionen im öffentlichen Raum. Sie wurden mit ‘wertlosen’ Dingen realisiert, die ich mitbrachte oder am Ort selber fand. Nachdem ich die Arbeit fotografiert oder später (seit 1995) auch auf Video aufgenommen hatte, verblieb sie an dem Ort, wo sie entstanden war. Die Arbeit wird als Diaprojektion oder auf Video präsentiert. Les actions peu sind Ergebnisse des Sich-treiben-lassens im Stadtraum (dérive). Sie sind so etwas wie eine sanfte Guerilla." (Boris Achour)
Courtesy Galerie Chez Valentin, Paris

Michel Blazy, „Tentative de saisir ... Les suites et les fins", 1995, 20:33 Min. (Ausschnitt: Les suites et les fins, 12 Min.)
*1966 in Monaco, lebt und arbeitet in Paris
Halsbrecherische Aktionen kleiner Schalentiere und Insekten.
Courtesy Galerie Art:Concept, Paris

Stefan Nikolaev, „Minouk le poisson peintre", 1994, 12:50 Min.
*1970 in Sofia (BG), lebt und arbeitet seit 1988 in Paris
Ein Goldfisch im Aquarium verwischt durch seine Bewegungen die rote Farbe, die langsam ins Wasser rinnt und verschwindet nach und nach in ihr. Übrig bleibt ein blutrotes Bild.

Bojan Šarcevic, „remise" (mit Alexander Brandt), 1996, 2 Min.
*1974 in Belgrad (YU), lebt und arbeitet in Paris
Zweikampf neben dem Becken eines Hallenbades. Die SchwimmerInnen ziehen jedoch weiter unbeirrt ihre Bahnen...
Courtesy Galerie Almine Rech, Paris

Valéry Grancher, „Memory", 1994/95, 3:24 Min.
*1967 in Toulon (F), lebt und arbeitet in Paris
„Welcher Zusammenhang besteht zwischen dem, was die Augen speichern können, was der Computer speichern kann und was die Gesellschaft speichern kann? Erinnerungsvermögen als Frage der Speicherkapazität? Diese minimalistische Textstudie präsentiert eine Abfolge von Grund- sätzen, die alle aus einem Subjekt („I") und einem Verb bestehen. Jeder Satz wird in einer Farbe ausgedrückt, aber jeder Satz wird auch durch die Farbe des vorhergehenden und nachfolgenden Satzes beeinflußt. Das Auge nimmt nur einen Bruchteil dessen wahr, was sich virtuell unendlich wiederholt. (...)" (Auszug Katalog Internationaler Videokunstpreis ZKM 1995)

Frédéric Beaumes, „V...", 1997, 8:34 Min.
*1968 in Malestroit (F), lebt und arbeitet in Paris
 „V..." basiert auf 160 in der rue Montfermeil gefundenen Super-8-Filmen. Es handelt sich um Ferienfilme einer Familie, aufgenommen zwischen 1965 und 1979. Ausgangspunkt war die seltsame Weise, wie der Kameramann mit seiner Kamera immer an jungen Frauen hängenblieb, während er Landschaftsaufnahmen machte. Wie um einen Fehler wieder gutzumachen, folgten auf jede dieser Aufnahmen Bilder seiner Frau, die ihn beobachtet. Das Video zeigt vielfach Indizien, die auf ein sich anbahnen- des Drama hinzuweisen scheinen. Verstärkt wird die Spannung durch Filmmusik à la Hollywood. (Frédéric Beaumes)

Isabelle Lévénez, „Le Souffle", 1993, 10 Min.
*1970 in Nantes (F), lebt und arbeitet in Paris
„Dieses Video (eigentlich eine Installation) ist das Ergebnis eines Zusammentreffens mit einer jungen Frau, die aufgrund eines psycholo- gischen Problems ihre Haare verloren hat. Man sieht ihren Kopf vor einem weißen Hintergrund. Diese Einstellung wird immer wieder kopiert und zehn Minuten wiederholt. Langsam verschlechtert sich die Bildqualität, bis sich zum Schluß das Bild komplett auflöst. In der Mitte des Videos beginnt ein Ton; es handelt sich um den Atem (souffle) des Videobandes." (Isabelle Lévénez) „Le souffle, 20.1.1993: Mein erster Eindruck ist Stille. Ich suche ihren Blick, eine, zwei, drei Sekunden, aber er ist schon entschwunden. Die Spur eines Zusammentreffen zeugt von der Verletzung eines Blickes.... in meiner Erinnerung bleibt die Weiße des Gesichtes." (Isabelle Lévénez)

Renaud Auguste-Dormeuil, „Théatre d’action, fev-mars 1996", 1996, 14 Min.
*1968, lebt und arbeitet in Paris
Präsentation verschiedener Waffengattungen (Typ, Durchmesser, Reich- weite) und deren Auswirkungen. Sie denken an Sarajevo, aber es ist Paris. Möglicherweise.

Saverio Lucariello, „Message Millénaire", 1997-98, 7:12 Min.
*1958 in Neapel (I), lebt und arbeitet in Paris
Der Künstler im endzeitlichen Zwiegespäch mit sich selbst: Millenaristi- sches Gemurmel am Ende des Jahrtausends. „Wir müssen uns vorberei- ten....rettende Phänomenologie...klimatisierte Passagen...lokale Gastro- nomien." Suppenrezepte, philosophische Sentenzen, religiöse Dogmen, fanatische Reden, etc. Jedes (Schlag-) Wort, jeder Ausdruck entwickelt sich aus dem vorhergehenden und wird so Teil eines unentwirrbaren, und unendlichen Sprachflusses.
Courtesy Galerie Georges-Philippe et Nathalie Vallois, Paris

Franck Scurti, „Chicago/Flipper", 1997, 7 Min.
*1965 in Lyon (F), lebt und arbeitet in Paris
Der öffentliche Raum (Chicago) als Flipperspiel. Dieses Video entstand während eines Aufenthaltes in Chicago. Einerseits gilt Chicago als Entstehungsort der Chicago School und des International Style, ist also ein Symbol der amerikanisch/internationalen modernen Architektur, anderer- seits begann hier die industrielle Produktion von Flipperautomaten, die der Kanalisierung der Freizeit dienen. Der Flipperautomat ist, so der Künstler, mit der Welt der Arbeitslosigkeit verbunden und somit im Grunde ein Objekt der Krise.
Courtesy Anne de Villepoix, Paris
 

Von 19 - 23 Uhr ist außerdem die erste Ausgabe der Künstler-CD-ROM mémoires vives im Neuer Berliner Kunstverein zugänglich. 

mémoires vives, numéro 1
Edition CD-ROM, 24 propositions d’artistes contemporains.
Laurent Chambert, Franck Scurti, Cyrille Martin, François Curlet, Gilles Sivilotto, Philippe Durand, Xavier Veilhan, Ann Véronica Janssens, Pierre Gauthier, Anne Brégeaut, Régis Pinault, Christophe Martin, Michel Blazy, Koen Theys, Didier Marcel, Marie Legros, Aude Du Pasquier, Hugues Reip, Florence Paradeis, Joé Pillot, Jacques Julien, Gilles Grand, Philippe Came, Lucie de Boutiny, Brigitte Ziegler. <http://www.mvives.com>