Ankündigungstext / Abstract
Seit der Entwicklung graphischer Web-Interfaces zu Beginn der 1990er Jahre hat die Nutzung des Internet rasant zugenommen. Hier eröffnen sich neue Möglichkeitsräume, die zur Entstehung spezifischer netzkultureller Praktiken geführt haben. Die Entwicklung dieser Praktiken lässt sich zum großen Teil auf die Verwendung digitaler “kleiner Medien” zurückführen, die nicht nur die Fähigkeit zu (passivem) Lesen, sondern vor allem zu (aktivem) Schreiben in die Hand der Nutzer legen. Netzkulturen gibt nach einem kurzen Überblick über die historische Entwicklung des Netzes seit den 1960er Jahren eine breitangelegte Einführung in die Netzkulturen der 1990er Jahre, die sich vor allem mit den politischen, künstlerischen und sozialen Dimensionen des Internets auseinandersetzen und in Opposition zu dessen Kommerzialisierung stehen. Das Netz wird jetzt z.B. zu einem politischen Werkzeug: Kontextsysteme sowie verschiedene (kommunikationsherstellende bzw. -blockierende) Netzaktivismen setzen neue internet- spezifische Mittel zur Durchsetzung netzinterner oder netzexterner politischer und gesellschaftlicher Ziele ein. Auch kommt es zur Entstehung einer sich künstlerisch mit dem Internet auseinandersetzenden Netzkunst, an deren früher Ausprägung maßgeblich KünstlerInnen aus Osteuropa beteiligt sind. Und schließlich hat sich in den letzten zehn Jahren in Europa und darüber hinaus ein weit verzweigtes Netzwerk unabhängiger, medienkultureller Institutionen, Gruppen und translokaler, über Mailinglisten kommunizierender Communities herausgebildet, deren Mitglieder kritisch über politische, kulturelle und ökonomische Auswirkungen des Netzes sowie über gesellschaftliche Konsequenzen technologischer Entwicklung nachdenken.
Inke Arns
[Inhaltsverzeichnis Netzkulturen]