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Inke Arns. Neue Slowenische Kunst (NSK) - eine Analyse ihrer künstlerischen
Strategien im Kontext der 1980er Jahre in Jugoslawien.
Regensburg: Museum Ostdeutsche Galerie, 2002.
4to. 204 S. mit 54 farb. Abb. auf Tafeln sowie 138 Textabb.,
Bibliographie, brosch. -- Text in dt. & engl. Sprache.

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"Our freedom is the freedom of those who think alike."

"We [...] are the engineers of human souls."

"Art and totalitarianism are not mutually exclusive. Totalitarian regimes abolish the illusion of revolutionary individual artistic freedom."

Diese Zitate stammen weder aus Programmen totalitärer Regierungen, noch sind sie Aussprüche stalinistischer oder faschistischer Politiker. Es handelt sich vielmehr um programmatische Aussagen des slowenischen Künstlerkollektivs Neue Slowenische Kunst (NSK), das sich Anfang der 1980er Jahre in Ljubljana, der Hauptstadt der Jugoslawischen Sozialistischen Republik Sloweniens, gegründet hatte. Die NSK sorgte seit 1984 mit ihren Aktionen für Verwirrung und rief in Jugoslawien sowie im Ausland empörte Reaktionen hervor. Denn dieses Künstlerkollektiv trat mit dem Vorsatz auf, ‚totaler als der Totalitarismus’ zu sein. Nicht Ironie, Satire oder Parodie waren die treibende Kraft hinter den Aktivitäten des Kollektivs, nicht kritische Distanz zur herrschenden Ideologie und dem Totalitarismus. Die Strategie der NSK bestand vielmehr in einer affirmativen Über-Identifizierung.

Die erste, nun vorliegende Gesamtdarstellung des Künstlerkollektivs Neue Slowenische Kunst (NSK) präsentiert die wichtigsten Unterabteilungen der NSK – zuständig für Musik, bildende Kunst, Tanz/Performance und Grafikdesign (Laibach, Irwin, Gledalisce Sester Scipion Nasice/Kozmokineticno Gledalisce Rdeci Pilot/Kozmokineticni Kabinet Noordung, Novi Kolektivizem). Außerdem stellt die Monographie die theoretischen und künstlerischen Konzepte der NSK wie Retrogarde und Über-Identifizierung im gesellschaftlichen und politischen Kontext dar, der sich während der 1980er Jahre in Slowenien bzw. Jugoslawien entwickelte. Die Neue Slowenische Kunst betrieb subkulturelle Eskalationsspiele, die auf die Existenz nationalistischer Mythen und das Vorhandensein des (totalitären) Begehrens nach freiwilliger Unterordnung verwiesen. "Das Phantasma durchqueren" hat der Philosoph und Psychoanalytiker Slavoj Zizek diese subversive Strategie genannt.

Inke Arns deutet die von der NSK in den 1980er Jahren eingesetzten radikalen künstlerischen Strategien als ästhetische Umsetzung der seit Beginn der 1980er Jahre formulierten Theorien der slowenischen Lacan-Schule um Slavoj Zizek. Diese Schule wurde zu einem bedeutenden theoretischen Fundament des Selbstverständnisses der subkulturellen Szene Ljubljanas, die wiederum zur wichtigsten Kraft für die Entstehung bzw. die Wiederentdeckung der Zivilgesellschaft in Slowenien werden sollte.

Die Neue Slowenische Kunst wurde vielfach rückblickend zum Katalysator der slowenischen Pluralisierungs- und Demokratisierungsprozesse erklärt. Inke Arns geht der Frage nach, warum paradoxerweise gerade der Totalitarismus der geistigen Terroristen der NSK einen nicht unerheblichen Beitrag zur Demokratisierung eines semitotalitären Systems geleistet hat. Die Publikation wird ergänzt durch ein Interview, das die Autorin mit Irwin im März 2000 in Ljubljana führte.
 
 

Online:

pdf Textteil [nsk1.pdf / 2,93 MB]
pdf Irwin-Katalogteil mit Interview (English) [nsk2.pdf / 82 KB]


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[updated 19 October 2003]